Calypso bulbosa forma albiflora

At the edge of the Arctic, Calypso bulbosa is one of the most Northern orchids. After snow smelting, from April to June, the plant is flowering in Northern Sweden or in Canada. It has rose to violet petals, the lip has a white or rose ground, with rose or violet spots. Albiflora forms are extremely rare.

In the Canadian National Park Banff, Jeroen Gerdes has found a white-flowered plant which still has its purplish color pattern in its hypochil. A purely white-flowered plant has been found this year by Marco Klueber in the Swedish province of Dalarna gefunden – here all the Anthocyanine pigments are vanished.  

The small plants grows in moist coniferous forests, on moss grounds. It’s a real dream to find it in this white-flowered form.

Calypso bulbosa forma albiflora

Am Rand der Arktis ist Calypso bulbosa eine der nördlichsten Orchideen. Nach der Schneeschmelze, von April bis Juni blüht sie in Nordschweden oder auch in Kanada. Sie hat rosa bis violett gefärbte Kelchblätter, die Lippe hat eine weiße bis rosa Grundfarbe mit rosa oder gelben Flecken. Albiflora-Formen sind äußerst selten.

Jeroen Gerdes hat im kanadischen Nationalpark Banff eine weiß blühende Pflanze gefunden, die im Hypochil noch das purpurfarbene Farbmuster hat. Eine ganz weiß blühende Pflanze hat Marco Klüber in diesem Jahr in der schwedischen Provinz Dalarna gefunden – hier sind die Anthocyanin-Pigmente völlig verschwunden.  

Die kleine Pflanze wächst in feuchten Nadelwäldern, auf Moosboden. Sie in dieser weiß blühenden Form aufzufinden, ist ein Traum.

Orchid conference in Neumuehl: Rescue mission in Switzerland

An unusual rescue mission in the canton Zurich was subject of the 2018 orchids conference in Kehl-Neumuehl, Germany. In this Swiss region, nutrient-poor grassland and bright forests have been dramatically reduced, René Gaemperle explained. Reasons are – as in other regions – the over fertilization of the intense agriculture and the increased building activity: “Where the hills are most beautiful, country residences are built”, Gaemperle said.

In order to strengthen weak populations like Ophrys araneola, Gaemperle cooperated with officials and organized manual pollination, collection of seeds, mixture of seeds with river sand and sowing. If the appropriate symbiosis fungus is in soil, this method works rather soon, explained Gaemperle. The time from sowing to first flowering is just three to six years.

He chose a different method with Anacamptis coriophora: Seed capsules from the Lake constance habitat Wollmatinger Ried have been sent to an expert for in vitro culture in Sweden. The young plants have then been planted at seven places in canton Zurich, overall 525 plants until 2015. In this year 56 of those plants have flowered, Gaemperle told. When species are threatened by extinction, such methods are the only way to save them. “If we don’t act now, they will vanish forever.”

Threatened orchid species are also an issue for Peter Steinfeld who lectured about the nature reservate Bliesgau in the German state of Saarland. Steinfeld has been observing the changes of the regional flora for 35 years. According to him, Cephalanthera rubra is threatened by extinction in Saarland – he found the last flowering plants  in Bliesgau about 20 years ago. Heavily decreasing is also Dactylorhiza viridis. But Limodorum abortivum is expanding, probably coming from the French region of Lorraine. The same case is with Ophrys sphegodes and Orchis simia. As another “profiteer of climate change” Steinfeld named Himantoglossum hircinum. Climate change was also the subject of my lecture with impressions of this summer on Gotland, Sweden. Jean-Marc Haas also reported about dried out places in Uzbekistan.

At the conference with more than 60 participants from four countries, which was organized by Harald Baumgartner and Hubert Heitz, Helmuth Zelesny lectured about a field trip to the Golzentipp mountain in Eastern Tyrol, with colour variants of Nigritella rhellicani in white, yellow and carmine. In this region at the edges of the Lienz Dolomites Gymnadenia conopsea is also quite often white-flowered. Hybrids of both species display a big variety of forms. Not so common is the hybrid of Gymnadenia conopsea with Pseudorchis albida. Nigritella rubra is flowering on lime stone. The variety of the orchid flora on this Alpine meadows has also been described by Norbert Griebl in his paper published by AHO-Berichte.

Helmut Presser lectured about new taxons related to Ophrys holoserica and Ophrys scolopax in France as there are Ophrys demangei and Ophrys quercophila, the oak loving Ophrys. Hartmut Moeller again showed impressive photos of pollinators, this time he observed Epipactis palustris with potter wasps, bumblebees and beetles.

Orchideentagung in Neumühl: Rettungsaktion im Kanton Zürich

Von einer ungewöhnlichen Rettungsaktion im Kanton Zürich hat René Gämperle auf der diesjährigen Orchideen-Tagung in Kehl-Neumühl berichtet. Im Kanton Zürich sind Magerwiesen, lichte Wälder und andere Biotope massiv zurückgegangen. Gründe sind wie in anderen Regionen auch Überdüngung durch intensive Landwirtschaft und zunehmende Besiedlung: “Wo es an den Hängen am schönsten ist, kommen Villen hin”, sagte Gämperle.

Um schwache Populationen gefährdeter Arten wie Ophrys araneola zu stärken, hat Gämperle in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden Pflanzen manuell bestäubt, das Saatgut eingesammelt, mit Flusssand vermischt und schließlich ausgebracht. Sofern der geeignete Symbiosepilz im Boden vorhanden sei, komme man mit dieser Methode recht schnell voran, erklärte Gämperle, von der Aussaat bis zur ersten Blüte in drei bis sechs Jahren.

Einen anderen Weg ging er bei Anacamptis coriophora: Hier wurden Samenkapseln aus dem Wollmatinger Ried am Bodensee zu einem Experten für In-Vitro-Kulturen nach Schweden geschickt. Die so entstandenen Jungpflanzen wurden dann an sieben Standorten im Kanton Zürich ausgebracht, bis 2015 insgesamt 525 Pflanzen. Von diesen hätten in diesem Jahr 56 Pflanzen geblüht. Bei Arten, die vom Aussterben bedroht seien, seien solche Maßnahmen die einzige Möglichkeit zur Erhaltung, erklärte Gämperle. “Wenn wir jetzt nicht handeln, ist sie für immer verschwunden.

Auf die Gefährdung von Orchideenarten machte auch Peter Steinfeld in seinem Vortrag über das Biosphärenreservat Bliesgau im Saarland aufmerksam. Er ist dort seit 35 Jahren unterwegs ist und beobachtet die Veränderungen der Flora. Kurz vor dem Aussterben steht im Saarland Cephalanthera rubra – im Bliesgau entdeckte Steinfeld das letzte blühende Exemplar vor 20 Jahren. Stark rückläufig ist auch Dactylorhiza viridis. Vermutlich aus Lothringen breitet sich aber Limodorum abortivum aus, ebenso Ophrys sphegodes und Orchis simia. Als weiteren “Profiteur der Klimaerwärmung” nannte Steinfeld auch Himantoglossum hircinum. Zum Thema Klimawandel stellte ich meine Eindrücke in diesem Sommer auf Gotland vor. Von extrem trockenen Standorten berichtete auch Jean-Marc Haas aus Usbekistan.

Helmuth Zelesny referierte auf der von Harald Baumgartner und Hubert Heitz organisierten Tagung mit mehr als 60 Teilnehmern aus vier Ländern über eine Exkursion zum Golzentipp in Osttirol, mit Farbvarianten von Nigritella rhellicani in weiß, gelb und karminrot. Auch Gymnadenia conopsea blüht in den Ausläufern der Lienzer Dolomiten häufiger in weiß. Die Verbindungen zwischen beiden Arten zeigen eine große Formenvielfalt. Seltener ist die Hybride von Gymnadenia conopsea mit Pseudorchis albida. Und auf Kalkboden ist dort auch Nigritella rubra zu finden. Die Vielfalt der Orchideenflora auf diesen hochalpinen Wiesen hat bereits Norbert Griebl in einem Beitrag für die AHO-Berichte dargestellt.

Helmut Presser referierte über neue Arten aus dem Umkreis von Ophrys holoserica und Ophrys scolopax in Frankreich wie etwa Ophrys demangei und Ophrys quercophila, die Eichen liebende Ragwurz. Hartmut Moeller zeigte wieder eindrucksvolle Bestäuberaufnahmen, diesmal hat er sich bei Epipactis palustris auf die Lauer gelegt und dabei Faltenwespen, Hummeln und Käfer beobachtet.

Albiflora-Orchideen auf Gotland

Immer wieder berichten Gotland-Reisende von Funden weiß blühender Orchideen, vor allem von Dactylorhiza incarnata. In diesem Jahr habe ich nun auch die Ostsee-Insel besucht, in einem besonders warmen und trockenen Frühsommer.

Dactylorhiza incarnata

Solche Dactylorhiza incarnata f. albiflora ohne jeden Farbton waren durchaus selten – während meiner Rundreise habe ich vier Pflanzen gesehen, was geschätzt der zu erwartenden Albiflora-Quota von zwei oder drei Promille entspricht. Sehr viel häufiger waren Pflanzen mit einem leichten Gelbton, ohne dass es sich dabei immer um die Subspezies (oder wie auch immer eingeordnete) ochroleuca handelte.

Tatsächlich lässt sich von der auf Gotland sehr häufigen Dactylorhiza incarnata sagen, dass diese Pflanze hier mit einem ausgeprägten Farbe-Polymorphismus auftritt – von weiß (sehr selten) über gelb (vereinzelt) und hellviolett/fleischfarben (häufig) bis zu den dunkelvioletten (häufig) Blüten der gelegentlich ebenfalls als Subspecies geführten Cruenta-Form.

Auch bei Orchis mascula waren Albiflora-Formen in der zu erwartenden Häufigkeit genetischer Mutationen zu finden. Dabei blieb stets das violette Punktmuster in den Blütenlippen erhalten.

Auf einer Wiese bei Östergarn sehe ich unter Hunderten von Gymnadenia conopsea auch eine schöne Pflanze mit weißen Blüten.

Einem Hinweis von Marco Klüber folgend finde ich in einem lockeren Kiefernwald an der Nordwestküste eine fast weiß blühende Orchis spitzelii. Die Farbtönung ist noch erkennbar, der Pigmentverlust nicht so ausgeprägt wie hier, aber es ist gleichwohl ein Hinweis, dass auch bei dieser Orchidee eine genetische Veranlagung zur Ausbildung von Albiflora-Formen vorhanden ist.

Albiflora orchids on Gotland

There have been a couple of botanical travel reports from Gotland with findings of white-flowered orchids, especially of Dactylorhiza incarnata. This year, I’ve finally visited this Baltic Sea island, in a quite warm and dry summer.

Dactylorhiza incarnata

Such Dactylorhiza incarnata f. albiflora without any color hue have been quite rare – on my round trip by bike I’ve seen four plants. That translates into an estimated ratio of two or three per 1000 plants, which is quite the relation to be expected. Quite more often have been plants with a light yellow hue, although those could not always be addressed as the subspecies (or other taxonomic order) ochroleuca.

It was obvious that Dactylorhiza incarnata, possibly the orchid with the biggest population on Gotland, is occuring here in an marked color polymorphism – from white (very rare) to yellow (occasionally), light violet/pink (common) and the dark purple (common) flowers of the cruenta form which is sometimes viewed as a subspecies.

With Orchis mascula there have also been albiflora forms in the frequency to be expected from genetical mutations. In all those plants the pattern of purplish points in the flower lips has been preserved.

On a meadow near Oestergarn there was a beautiful white-flowered Gymnadenia conopsea among hundreds of plants..

Following a hint by Marco Klüber I also found an almost white-flowered Orchis spitzelii in a pine wood on the Northwestern coast. The color hue was still recognizable, the loss of pigments not as far reaching as here. But it’s still an indication that this orchid species also shows a genetical inclination to develop albiflora forms.

Gymnadenia conopsea x Nigritella rhellicani mit weißen Blüten

In der jüngsten Ausgabe der Berichte aus den Arbeitskreisen Heimische Orchideen (Jg 34, Heft 2, 2017, S.123-145) stellt Norbert Griebl die Vielfalt alpiner Orchideenhybriden auf den Wiesen rund um den Golzentipp (2317 m) in Osttirol vor. Dabei weist er auch auf den Fund einer weiß blühenden Hybride von Gymnadenia conopsea und Nigritella rhellicani (Gymnigritella suaveolens) hin. Dabei nennt er zwei Möglichkeiten:

  • dass sich ein weiß blühendes Rhellicanus-Kohlröschen, wie es sie hier am Golzentipp (sehr selten) zu finden gibt, und eine weiß blühende Mücken-Händelwurz, wie sie hier mehrfach vorkommen, gekreuzt haben
  • dass es sich um eine spontane Farbmutation einer Hybride handelt 

Der zweiten Möglichkeit räumt Griebl die größere Wahrscheinlichkeit ein. Dafür spricht auch, dass solche Albiflora-Hybriden von anderen Regionen mit Farbvarietäten von Nigritella rhellicani und weiß blühenden Gymnadenia conopsea wie etwa auf der Seiser Alm in Südtirol nicht bekannt sind – auch wenn die Suaveolens-Hybriden dort regelmäßig vorkommen.

Gymnadenia conopsea x Nigritella rhellicani with white flowers

In the latest edition of the Berichte aus den Arbeitskreisen Heimische Orchideen (Jg 34, Heft 2, 2017, S.123-145), Norbert Griebl presents the diversity of alpine orchid hybrids on the meadows of the Golzentipp mountain (2317 m) in Eastern Tirol. Among them there is also a white-flowered hybrid of Gymnadenia conopsea and Nigritella rhellicani (Gymnigritella suaveolens). Griebl views two possible options:

  • a white-flowered Nigritella rhellicani, which can be rarely found at the Golzentipp, and a white-flowered Gymnadenia conopsea, which is not rare in this region, have hybridized
  • a spontaneous mutation of a hybrid affecting the production of color pigments.

Griebl sees a higher probability for the second case. This is supported by the fact that there have been no reports of such an Albiflora hybrid in other regions with color varieties of Nigritella rhellicani and white-flowered Gymnadenia conopsea, for example on the Seiser Alm in Southern Tirol – though these Suaveolens hybrids can be regularly seen there.

Orchideen passen sich an Farbpräferenzen von Bestäubern an

Diese Hypothese entwickelt Hannes Paulus in einem Beitrag für die jüngste Ausgabe des Journals Europäischer Orchideen (Hannes F. Paulus: Zur Bestäubungsbiologie der Gattung Ophrys in Nordspanien: Freilandstudien an Ophrys aveyronensis, O. subinsectifera, O. riojana, O. vasconica und O. forestieri. J. Eur. Orchideen. 49 (3-4): 427-471).

Darin geht der Autor auf die beiden Populationen von Ophrys aveyronensis in Südfrankreich und Nordspanien ein – letztere bestimmt er als Ophrys aveyronensis subsp. vitorica. Es handelt sich um eine Art, weil beide von der Biene Andrena hattorfiana bestäubt werden.

Dabei weist Paulus darauf hin, dass diese Biene auf die Witwenblume (Knautia) spezialisiert ist. Deren pinkfarbener Blütenstand habe die gleiche Farbe wie das Perigon, also Sepalen und Petalen, von Ophrys aveyronensis. Hier merkt der Ophrys-Experte an: Es ist zu erwarten, dass dies kein Zufall ist, sondern eine Angleichung an die Hauptfutterpflanze des Bestäubers. Auch bei Knautia gebe es kräftiger pink gefärbte Blüten wie Pflanzen, die zu weiß tendierten.

Dieser Hinweis bestätigt den Ansatz, bei der Frage nach Gründen für das gehäufte Auftreten von Albiflora-Formen unterschiedlicher Orchideenarten in bestimmten Regionen auf die Begleitflora an den jeweiligen Standorten zu achten.

Orchids “adapt” to colour preferences of pollinators

This hypothesis has been formulated by Hannes Paulus in a contribution for the latest edition of the Journal Europäischer Orchideen (Hannes F. Paulus: Zur Bestäubungsbiologie der Gattung Ophrys in Nordspanien: Freilandstudien an Ophrys aveyronensis, O. subinsectifera, O. riojana, O. vasconica und O. forestieri. J. Eur. Orchideen. 49 (3-4): 427-471).

In this article the author studies both populations of Ophrys aveyronensis in Southern France and Northern Spain – the last one termed as Ophrys aveyronensis subsp. vitorica. According to Paulus it is just one species, because both are pollinated by the bee Andrena hattorfiana.

Paulus points to the fact that this bee is specialised on the widow-flower (Knautia). The pink inflorescence of this plant has the same colour as the perigone, i.e. the sepals and petals, of Ophrys aveyronensis. The expert of Ophrys is stating: It can be expected that this is not just a mere chance but an adaptation to the main nourishing plant of the pollinator. Knautia shows at the same time more deeply pink flowers as flowers tending to white.

This evidence is confirming the approach to also look for other plants when we search for reasons why albiflora forms of different orchid species are more often in certain places.