Ophrys-Pigmentierung demonstriert Blüten-Symmetrie

Die bilaterale Symmetrie der Orchideen-Blüte verdeutlicht diese Ophrys helenae, die Marco Klüber auf einer Reise durch Attika fotografiert hat. Die linke Hälfte der Lippe zeigt die übliche braunrote Färbung, die rechte Hälfte ist hypochrom, mit einem partiellen Pigmentverlust. Dabei sind hellere Rottöne erhalten geblieben, ebenso das Chlorophyll im unteren Randbereich.

Orchideen-Blüten haben eine bilaterale Symmetrie – wie in der Natur sonst etwa auch bei Käfern oder im menschlichen Gesicht. Andere Pflanzen wie etwa die Blüten von Lilien haben eine radiale Symmetrie mit drei oder mehr Spiegelachsen.

Die Reise führte Marco auch zu einer Anacamptis papilionacea subsp. messenica (früher subsp. heroica):

Albiflora-Formen von Dactylorhiza saccifera and cordigera

Dactylorhiza saccifera f. albiflora
Dactylorhiza fuchsii entwickelt häufiger Albiflora-Formen als andere europäische Orchideen, besonders in einigen Regionen wie Irland und an einzelnen Standorten in Deutschland. Gleichwohl finden sich bislang keine Hinweise auf weiß blühende Dactylorhiza saccifera. Beide Arten sind diploid und miteinander verwandt. Bei der Erkundung von Feuchtwiesen am Smolikas-Massiv in Nord-Griechenland habe ich Mitte Juni diese prächtige Dactylorhiza saccifera f. albiflora entdeckt, auf einer Feuchtwiese in 1200 Metern Höhe, dicht umgeben von Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre) und in Begleitung von Dactylorhiza baumanniana und Neottia ovata.
Dactylorhiza saccifera f. albiflora
In dem gleichen Gebiet wuchs auch eine weiß blühende Gymnadenia conopsea mit einem Hauch von violetter Färbung.

Ein weiterer Höhepunkt der Exkursion nach Nordgriechenland waren drei weiß blühende Dactylorhiza cordigera auf einer Lichtung am Vitsi-Massiv in der Umgebung von Kastoria. Diese blühten inmitten von mehr als 1000 Cordigera-Pflanzen mit ihrer charakteristischen dunkelvioletten Blütenfarbe.
Dactylorhiza saccifera f. albiflora

Das Bild von Albiflora-Formen spät blühender Orchideen in Nordgriechenland wurde abgerundet von einer Dactylorhiza incarnata f. albiflora in der Nähe des Dorfs Chrisi:
Dactylorhiza incarnata

Limodorum abortivum “albiflora”

Limodorum abortivum - Albiflora-Form (links; Foto: N.Griebl) und gewöhnliche Form (rechts)
Limodorum abortivum - Albiflora (links; Foto: N.Griebl) und Standardform (rechts)

Eine der seltensten Albiflora-Formen von Orchideen ist Limodorum abortivum. In der Literatur wird manchmal das Vorkommen weiß blühender Pflanzen erwähnt, etwa von Horst Kretzschmar in seinem neuen Buch “Die Orchideen Deutschlands und angrenzender Länder” (Wiebelsheim 2008), S.163: “Die Färbung der Blüten kann in Südeuropa erheblich variieren, von weiß über violett bis rot, wenngleich solche Blütenfarben in Deutschland bislang nicht beobachtet wurden.” 

Norbert Griebl hat mir nun das Foto einer Albiflora-Form geschickt, die er in Nordgriechenland entdeckt hat. Dabei beobachtete er, dass die Pflanze einen grünen Stängel und grüne Stängelblätter hat, “was beweist, dass Limodorum nicht gänzlich saprophytisch lebt.” (also  myko-heterotroph). Die grüne Farbe des Stängels ist tatsächlich sehr auffallend, verglichen mit der dunkelvioletten Farbe der gewöhnlichen Form. Bei dieser wird das vorhandene Chlorophyll offenbar von den dominanten Anthocyaninen überdeckt. Wenn diese rötlich-violetten Farbpigmente der Zelle fehlen – wie im Fall der Albiflora-Form, kommt das grüne Chlorophyll deutlich zum Vorschein. Eine 2006 veröffentlichte Studie (M. Girlanda, M. A. Selosse, D. Cafasso, F. Brilli, S. Delfine, R. Fabbian, S. Ghignone, P. Pinelli, R. Segreto, F. Loreto, S. Cozzolino und S. Perotto: Inefficient photosynthesis in the Mediterranean orchid Limodorum abortivum is mirrored by specific association to ectomycorrhizal Russulaceae. In: Molecular Ecology 15, 2006, S. 491-504) erkennt die Existenz von Chlorophyll an, stellt aber fest, dass bei der Photosynthese für die Ernährung der Pflanze nicht ausreiche. Es wäre interessant zu wissen, wie sich die Albiflora-Form in dieser Hinsicht verhält und ob sie ebenfalls auf die Nährstoffversorgung durch Pilze angewiesen ist.