Anacamptis pyramidalis

Anacamptis pyramidalis
Photo: Peter Zschunke, 27/04/2007, bei Vieste/Apulien, Italien

Pyramiden-Hundswurz, Spitzorchis

Anacamptis pyramidalis verdankt seinen Namen der Form des Blütenstands, der im Vergleich zum dünnen Stengel einen eindrucksvollen Umfang erreicht. Die Pflanze wird 20 bis immerhin 60 Zentimeter hoch. Die Blätter, lanzettförmig, grün und ungefleckt, bilden am Bodden eine Rosette, weiter oben umschließen sie den Stengel. Die Pyramidenform des Blütenstands ist vor allem bei der aufblühenden Pflanze ausgeprägt, später ist er kegelförmig. Die 10 bis 60 Einzelblüten stehen dicht zusammen, haben einen nach unten gerichteten Sporn und ein langes Tragblatt. Die beiden seitlichen Petalen bilden mit dem mittleren Sepal einen Helm. Die seitlichen Sepalen sind lanzettförmig und zur Seite gestreckt. Die Lippe ist tief dreigeteilt, wobei die beiden Seitenlappen fast so lang sind wie der Mittellappen, der manchmal am Ende leicht eingekerbt sein kann. Auffallend sind zwei längliche Leisten am Grund der Lippe. Die beiden Pollinien haben eine gemeinsame Klebscheibe (Viscidium).

Anacamptis pyramidalis
Photo: Peter Zschunke, 27/04/2007, bei Vieste/Apulien, Italien

Einordnung (Taxonomie)

Linné hat die Pflanze 1753 als Anacamptis pyramidalis bezeichnet. Anacamptis wurde lange als Gattung mit nur dieser Art betrachtet, bis Richard M. Bateman und andere das Verständnis vertieft haben, welche nahen Beziehungen zu anderen Orchideen bestehen.

Anacamptis pyramidalis
Photo: Peter Zschunke, 27/04/2007, bei Vieste/Apulien, Italien

Weiß blühende Form

Die Blütenfarbe von Anacamptis pyramidalis reicht meist von rosa über pinkfarben bis rot und manchmal auch bis dunkelrot. Ansonsten ist die Variabilität der Art relativ begrenzt, auch wenn die Größe und Stärke der Pflanze je nach Bedingungen des Standorts sehr unterschiedlich ausfallen kann. Die weiß blühenden Pflanzen stellen offenbar eine eigene Sonderform dar. Sie stellen eine eigene Variation dar, da es Standorte gibt, an denen nur weiß blühende Pflanzen vorkommen. Dies ist auch der Fall mit den hier vorgestellten Beispielen: Inmitten einer großen Menge von Anacamptis coriophora gab es auf der Spitze eines Hügels nur zwei weiß blühende Anacamptis pyramidalis. Paul Delforge (Guide des orchidées d’Europe, 2005, S.277) bestimmt die weiß blühende Form als Anacamptis pyramidals var. nivea und nennt als besondere Kennzeichen die rein weißen Blüten, deren Sporn mit 5 bis 10 mm kürzer ist als bei der Standardform mit 10 bis 16 mm. H. Kretzschmar u.a. (Die Orchideengattungen…, 2007, S.57) sprechen nur von der Infloreszenz ‘albiflora’. Das zugehörige Foto zeigt aber eine Pflanze, deren Blüten noch einen leichten Rosaton haben. In Regionen, in denen die weißen Pflanzen eine eigene Varietät zu bilden scheinen, sind sie häuriger als in anderen Regionen, wo sie eher selten sind. In Südfrankreich habe ich unter mehreren tausend rosa blühenden Pflanzen eine einzige “Albiflora”-Pyramidalis gefunden. Daher kann die Häufigkeit auf einen Wert von weniger als 1/1000 geschätzt werden.

Anacamptis pyramidalis
Photo: Peter Zschunke, 27/05/2008, bei Novis/Aveyron, Frankreich

Biotope, Blütezeit und Verbreitung

Anacamptis pyramidalis wächst auf Wiesen und Weiden, in den Bergen bis in eine Höhe von 2000 m, aber auch in Macchia-ähnlichen Landschaften oder auf Wiesen in direkter Meeresnähe. Die Blütezeit reicht von März bis Juli. Die Art kann fast überall in Europa gefunden werden, mit der Ausnahme von Nordosteuropa.