einseitige Lernerfahrung: wie Bienen auf Blütenfarbe reagieren

Bienen und andere Insekten suchen Blüten auf, um Nahrung zu finden wie Nektar oder Pollen. Und sie lernen, eine Vielzahl von Blütenmerkmalen mit solchen Belohnungen zu verbinden, wie drei Forscher an der Universität von Arizona erklären: Avery L. Russell, China Rae Newman und Daniel R. Papas haben dazu in diesem Jahr einen Aufsatz in der Zeitschrift Evolutionary  Ecology (DOI 10.1007/s10682-016-9848-1) veröffentlicht. Bislang wissen wir nicht viel darüber, wie Insekten lernen.

Andrea spec. with Orchis simia
Andrea spec. mit Orchis simia

Das Arizona-Projekt interessiert sich für Pflanzenarten mit Blüten in verschiedenen Farben, aufgrund einer Mutation, bei der die Produktion von Blütenpigmenten blockiert wird. Ähnlich wie bei den auf dieser Web-Site gezeigten Albflora-Orchideen können solche Farbe-Polymorphismen auch in anderen Pflanzenfamilien auftreten. Die Autoren erklären, dass diese recht häufig auftreten und nennen als Beispiele Geranium thunbergii, Antennaria dioica (Katzenpfötchen) oder Aquilegia coerulea (Rocky-Mountains-Akelei), eine Verwandte unserer Akelei in Europa.

Aquilegia vulgaris
Aquilegia vulgaris

Ihre Studie analysiert das Verhalten von Bestäubern bei einem purpurfarbenen und weiß blühenden Nachtschattengewächs (Solanum tridynamum), wobei sie eine Experimentalumgebung konstruierten. Damit konnte gezeigt werden, dass anfänglich naive Bienen ohne Lernerfahrung keine Präferenz für purpurn oder weiß blühende Pflanzen hatten. Dies war auch der Fall, als die Forscher die Entnahme von Pollen verhinderten – indem sie den Staubbeutel mit Klebstoff verschlossen. Aber Bienen mit einer lohnenden Erfahrung bei purpurnen Blüten zeigten eine signifikant starke Präferenz, auf Morphen mit purpurnen Blütenblättern zu landen, verglichen zu Morphen mit weißen Blütenblättern. jedoch war diese Präferenz für eine lohnende Farbe bei weißen Blüten mit einer lohnenden Erfahrung viel schwächer aussgeprägt. Die Autoren kommen so zur Schlussfolgerung: Bienen haben eine einseitige Neigung in der Frage, wie Erfahrung Präferenzen formt: Die Erfahrung mit dem purpurnen Morph hatte eine größere Wirkung als die Erfahrung mit dem weißen Morph.

Der Grund für diese einseitige Lernerfahrung könnte nach Einschätzung der Forscher aus Arizona darin liegen, dass purpurne Blüten einen viel größeren Farbkontrast zur Umgebung aufweisen. Daher ist das hypochrome Solanum tridynamum bei der Nahrungssuche unter natürlichen Bedingungen wahrscheinlich noch weniger leicht erkennbar. Diese einseitige Erfahrung, so schließen die Autoren, könnte den Erfolg solcher Morphen beschränken und vielleicht sogar dazu beitragen, dass sie so selten sind. Die Fallstudie aus Arizona mit dem Titel White flowers finish last: pollen-foraging bumble bees show biased learning in a floral color polymorphism ist großartige Forschung – aber es sollten weitere Arbeiten folgen, um zu sehen, ob Blüten mit Farbpigmenten von vornherein einen Vorteil gegenüber hypochromen Blüten haben.

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