Neujahrsgrüße aus Korčula

Orchis quadripunctata

Zu Beginn des neuen Jahres habe ich eine schöne Mail von Mirjana und Nebojša Jeričević bekommen, die auf der dalmatinischen Insel Korčula leben. Sie schickten mir Fotos von Albiflora-Formen von fünf Arten, Orchis quadripunctata (oben), Anacamptis pyramidalis, Himantoglossum robertianum, Dactylorhiza romana und Orchis italica. Besonders interessant sind die von Dactylorhiza romana. Diese Pflanzen zeigen in der Blüte einen leicht gelblichen Farbton, sind aber nicht so gelb wie bei der gelben Standardform dieser zweifarbig blühenden Art. Sie wachsen unter Pflanzen der violetten Form. Es kann vermutet werden, dass es sich hier um Pflanzen handelt, die ursprünglich violett blühen sollten aber die Anthocyanine verloren haben.

Dactylorhiza romana

Dactylorhiza romana

new year greetings from Croatian island Korčula

Orchis quadripunctata

Starting into 2015 I received a nice mail from Mirjana and Nebojša Jeričević living on the Dalmatian island of Korčula. They sent me photos of albiflora forms of five species, Orchis quadripunctata (above), Anacamptis pyramidalis, Himantoglossum robertianum, Dactylorhiza romana and Orchis italica. Especially interesting are those of Dactylorhiza romana. Those plants show some light yellowish hue but are not as yellow as the common yellow form of this bi-coloured species. They are are growing among violet forms and it might be assumed that they are plants whose flowers should have been violet but lost the anthocyanins pigments.

Dactylorhiza romana

Dactylorhiza romana

weißes Blühen im Engadin

Bei der Erkundung dieser Region in der Ostschweiz galt mein Interesse vor allem dem in dunklen Wäldern blühenden Epipogium aphyllum. “Aphyllum” bezieht sich auf das Fehlen von Blättern – und somit haben sie auch kein Chlorophyll. Einige wenige Pflanzen haben auch kein Anthocyanin. Der Experte für diese Region, Joe Meier, schickte mir ein Foto einer völlig weißen Blüte, die er kürzlich fand. Er wies darauf hin, dass diese Form nicht nur als Albiflora-Form, sondern auch korrekt als Albino bezeichnet werden kann – gemäß der Definition einer Pflanze, der jegliche Pigmente fehlen. Ich habe eine Pflanze mit reduziertem Anthocyanin in der Blütenlippe gefunden, die noch einen leichten Rosa-Ton in der Blüte bewahrt hat:

Epipogium aphyllum

Die Exkursion in der Gegend nahe der bezaubernden Kleinstadt Scuol bestätigte auch die leicht erhöhte Tendenz von Gymnadenia zur Entwicklung von Albiflora-Formen. Bei einer Vielzahl von Gymnadenia conopsea mit kräftig violetten Blüten traf ich auch auf eine weiß blühende Pflanze:

Gymnadenia conopsea

Gymnadenia conopsea

Die meisten Gymnadenia odoratissima neigen zu Blüten mit einer sehr hellen violetten Farbe, bewahren aber dabei eine deutlich sichtbare Tönung. Aber auf einer Bergwiese gab dort auch eine Planze ohne jedes Anthocyanin in den Blüten, selbst die Säule ist gelblich bis weißlich:

Gymnadenia odoratissima

white flowering in Engadine

Visiting this Eastern region of Switzerland, my special interest was focussed on Epipogium aphyllum, flowering in dark forests. “Aphyllum” refers to the lacking of any leafs – and so they don’t have any chlorophyll. Some plants also miss anthocyanins – the Swiss expert of the region, Joe Meier, sent me a a photo of a totally white flower found recently. He pointed out that this form could not only be addressed as albiflora, but also as albino – following the definition of a plant without any pigments. I’ve found a plant with reduced anthocyanin in its lip, while a rose hue is still slightly existent:

Epipogium aphyllum

The trip to the region near the charming town Scuol also confirmed the slightyl increased tendency of Gymnadenia to develop albiflora forms. While there has been quite a lot of Gymnadenia conopsea with a marked purple colour, I also met a white-flowering plant:

Gymnadenia conopsea

Gymnadenia conopsea

Most of Gymnadenia odoratissima tend to a very bright purplish colour while retaining some visible hue of it. But on a mountain meadow there was also a plant without any anthocyanin in the flowers, even the column being yellowish-whitish:

Gymnadenia odoratissima

ein Traum in Grün und Weiß: Ophrys apifera in Basel

Endlich habe ich sie getroffen: Die Bienen-Ragwurz im Rheinhafen Basel, die 2004 als Ophrys apifera var. basiliensis beschrieben wurde – 2006 hat sie Paul Delforge als Ophrys apifera f. basiliensis herabgestuft.

Ophrys apifera var. basiliensis

Mein Schweizer Freund Klaus Hess hat mich schon vor etlichen Jahren auf diese besondere Population von Bienen-Ragwurz hingewiesen. Nun haben wir uns in Basel getroffen und den Bus Waldhaus genommen. Von dort liefen wir zum Rheinufer. Zwischen Eisenbahngleisen und Fluss, begrenzt vom Container-Terminal im Westen und dem alten Auhafen im Osten, erstreckt sich ein schmaler Streifen Magerrasen, reich mit besonderen Arten. Die vorherrschende Grasart ist die Aufrechte Trespe (Bromus erectus). Dazwischen wachsen unter anderem auch die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), der Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum) und die Magerwiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare).

Basel Rheinhafen

Bald entdeckte Klaus die erste Pflanze dieser besonderen Bienen-Ragwurz. Besonders ist sie nicht jir wegen der Abwesenheit von Farbpigmenten, sondern auch wegen der besonderen Form der Petalen. Diese sind sepaloid, viel länger und breiter als sonst bei der Bienen-Ragwurz. Die Blütezeit hat gerade begonnen. Während Klaus nach weiteren Pflanzen schaut, studiere ich die Blüte durch das Kamera-Objektiv – und beobachte so den selten Besuch einer Andrena-Biene bei einer Bienen-Ragwurz. Das war nur ein Besuch, keine Bestäubung, auch wenn die Biene Pollen von anderen Blüten mit sich führte. Ophrys apifera ist autogam, und die gelben Pollinien fallen schnell nach unten, um die Selbstbefruchtung austzuführen.

Ophrys apifera var. basiliensis

Die nächste Überraschung an diesem Himmelfahrtstag war die Begegnung mit Stefan Schwegler, der die Basler Bienen-Ragwurz zusammen mit Diethart Matthies als Ophrys apifera var. basiliensis beschrieben hat (in: Orchid Review 112/2004).

Stefan Schwegler

Er zeigte uns noch andere Pflanzen, darunter eine reguläre Form von Ophrys apifera mit ihren braunen und gelben Pigmenten sowie Platanthera chlorantha, Anacamptis pyramidalis und Dactylorhiza fuchsii. Und er erzählte uns von dem ständigen Bemühen, diesen besonderen Standort gegen die kommerziellen Interessen des Hafen-Managements zu erhalten. Die Population von Ophrys apifera var. basiliensis geht zurück, erklärte Stefan Schwegler. Aber sie umfasst immer noch etwa 100 Pflanzen. Die meisten blühen nicht jedes Jahr, warten auf ihre Zeit, in Erscheinung zu treten.

Orchis olbiensis – andalusische Farbenlehre

orchis_olbiensis

Orchis olbiensis tritt in einer hellen und einer dunklen Farbvariante auf, wie Kretzschmar/Eccarius/Dietrich in “Die Orchideengattungen Anacamptis, Orchis, Neotinea” (Buergel 2007, S. 322) feststellen. Die helle Variante hat Blütenfarben von Rosa bis fast Weiß – mit einem farbigen Lippenmuster, das in deutlichem Kontrast zum hellen Hintergrund steht. Die weiß blühenden Pflanzen stellen fast die Hälfte der Populationen in Spanien, wie die Autoren feststellen – ganz im Unterschied zu den durchgängig purpurfarbenen Blüten von Orchis olbiensis in Frankreich.

Fünf Jahre nach einem ersten Besuch von Orchis olbiensis in Südfrankreich, hatte ich nun Gelegenheit, Orchis olbiensis in Südspanien zu studieren, in der Provinz Malaga. Obwohl ich Mitte April für diese Art schon etwas spät dran war, fand ich noch zwei Albiflora-Formen von Orchis olbiensis im Kalksteingebirge Torcal, in der Nähe der kleinen Stadt Antequera. Die größere dieser Pflanzen hatte fast neun weiße Blüten mit den feinen purpurfarbenen Punkten auf der Lippe. In diesem Biotop wuchsen auch Anacamptis papilionacea, Ophrys scolopax und Orchis mascula subsp. laxifloraeformis.

orchis_olbiensis_2

Orchis olbiensis – Andalusian chromatics

orchis_olbiensis

Orchis olbiensis has a colourful and a light variety, as it is stated by Kretzschmar/Eccarius/Dietrich in “Die Orchideengattungen Anacamptis, Orchis, Neotinea” (Buergel 2007, p. 322). The light variety has flower colours between rose and almost white – with a colourful lip pattern contrasting to the light background. The white-flowered plant comprises almost half of the populations in Spain, the authors observed – quite in difference to the almost purplish flowers of Orchis olbiensis in France.

Five years after visiting Orchis olbiensis for the first time in Southern France, I had now the chance to study Orchis olbiensis in Southern Spain, in the province of Malaga. Though in mid-April I’ve been quite late for this species, I found two albiflora forms of Orchis olbiensis in the limestone formation of the Torcal, near the small town of Antequera. The greater plant had nine almost white flowers with the fine purplish dots still conserved. In this habitat there were also growing Anacamptis papilionacea, Ophrys scolopax and Orchis mascula subsp. laxifloraeformis.

orchis_olbiensis_2

a dream in green and white: Ophrys apifera in Basel

Finally, I’ve met her: The bee orchid at the Rhine port of Basel which has been described as Ophrys apifera var. basiliensis – in 2006, Paul Delforge “downgraded” her to Ophrys apifera f. basiliensis.

Ophrys apifera var. basiliensis

My Swiss friend Klaus Hess has told me a couple of years ago about this special population of bee orchids. Now we met at Basel and took the bus to a place called Waldhaus. There, we walked to the bank of the Rhine. Between the railway tracks and the river, limited between the container terminal to the West and the old Auhafen to the East, there is a small strip of grassland quite rich with species. Dominated by Bromus erectus, there is also growing Knautia arvensis, Geranium pyrenaicum, Leucanthemum vulgare and other flowers.

Basel Rheinhafen

Soon Klaus found the first of these special bee orchids. They are special not only due to their lack of pigments, but also to the special form of the petals. Those are sepaloid, much longer and broader than usual with bee orchids. We are just in the beginning of the flowering time. As Klaus was looking for further plants I studied the flower with my camera – and observed the rare visit of an Andrena bee at a bee orchid. It was just a visit, not a pollination at all, though the bee carried pollen from other flowers. Ophrys apifera is autogamous, and the yellow pollinia are soon falling down to perform self fertilisation.

Ophrys apifera var. basiliensis

The next surprise on this Ascension holiday was meeting Stefan Schwegler, who has described those bee orchids as Ophrys apifera var. basiliensis (in: Orchid Review 112/2004).

Basel Rheinhafen

He showed us a couple of other plants, among them a regular Ophrys apifera with its brown and yellow pigments as well as Platanthera chlorantha, Anacamptis pyramidalis and Dactylorhiza fuchsii. And he told us about the permanent struggle to conserve this special place against commercial interests of the port management. The population of Ophrys apifera var. basiliensis is declining, Stefan Schwegler explained, but still consists of about 100 plants. Most of them don’t flower every year, but wait for their moment to appear.